Die Kirche in ihrer heutigen Gestalt stammt aus der Zeit um den 30-jährigen Krieg, also dem 17. Jahrhundert und hat die Bauform einer Saalkirche. Zuvor dürfte an gleicher Stelle eine einfache Steinkirche aus der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts gestanden haben. Der Dachreiter wurde erst Anfang des 19. Jh. aufgesetzt. Charakteristisch sind die Innenmalereien: Bilderbibel auf der Empore, gemalt von Gottfried Geißler um 1716. Kassettendecke gemalt von einem Vertreter der Erfurter Schule ca. 1800-1820. Besichtigung ist nach Absprache möglich.
Aus dem Kleinen Kunstführer
Kurzinformation aus dem Kleinen Kunstführer „Ev.-luth. Dorfkirche Dittersbach“
erschienen im Verlag Schnell & Steiner
Die Dorfkirche zu Dittersbach ist mit ihren Malereien an den Brüstungen der Nordempore, ihrem Altarretabel mit der zentralen Abendmahlsdarstellung sowie der in den Gemeinderaum hineinragenden Kanzel ein typisches und schönes Beispiel einer kleinen barocken ev.-luth. Gemeindekirche.
Während der Kernbau der heutigen Kirche noch aus der zweiten Hälfte des 15. Jh. bzw. aus der Zeit um 1500 stammen dürfte, erfolgten die Umbaumaßnahmen, die das heutige Erscheinungsbild des Kircheninnenraums prägen, zwischen etwa 1650 und 1720.
Bei der Dorfkirche zu Dittersbach handelt es sich um eine aus Bruchsteinen errichtete, verputzte einschiffige Saalkirche mit einem Chor in der Breite des Kirchenschiffs, der in drei Seiten eines Achtecks schließt. Die Ausrichtung ist minimal nach Nordosten gerückt. Das Kirchenschiff besitzt ein mit Schieferschindeln gedecktes Satteldach. Über dem First ragt der 1896 bis 1899 errichtete, achtseitige Dachreiter in den Himmel empor, bekrönt mit einer schlanken, glockenförmigen Haube und einer kleinen Laterne mit einer Wetterfahne.
Der kleine, flach gedeckte, relativ niedrige Innenraum des longitudinalen Saalkirchenbaus wird von der Buntheit der Emporenbrüstungs- und Deckenmalereien sowie von den weiß gefassten Kirchenbänken und dem Gestühl geprägt.
Die drei Sakramente Abendmahl, Taufe und Beichte haben mit den drei Ausstattungsstücken Altar (mit dem 1716 vom Erbrichter Johann Reinhard Bernhard gestifteten Retabel), Taufbecken (vom Anfang des 16. Jh.) und Beichtstuhl (aus dem Jahr 1665) im Chorraum der Kirche ihren festen Platz. Die Kanzel wurde um 1720 geschaffen. Links neben ihr hängt das Porträt des Pfarrers Joachim Conradi (1616–1679), ein qualitätsvolles frühbarockes Ölgemälde auf Leinwand eines unbekannten Malers, das ein Jahr vor dem Tod des Geistlichen entstand. Die bis 2024 aufwändig restaurierte Orgel wurde 1862 von Christian Friedrich Göthel (1804–1873) geschaffen.
Aufgrund der angenehmen, auf die menschliche Dimension abgestimmten Größe des Kirchenraums fühlt sich der Besucher hier wohl, ja geradezu geborgen. Die historische Kirchenausstattung mit insgesamt 41 bildlichen Darstellungen, die zwei Weltkriege nahezu unbeschadet überdauert hat, verleiht dem Raum Altehrwürdigkeit und schafft Erinnerungen an vergangene Zeiten, in denen sich die lutherische Konfession parallel zur katholischen Kirche behaupten musste. Die biblischen Inhalte der Geschichten, die uns die Bilder erzählen, und ihre Bedeutungen sind über die Zeit gleichgeblieben und sozusagen von ewiger Gültigkeit. Damals wie heute sprechen sie als Ausstattungsstücke der Kirche zum Besucher und damals wie heute predigt der örtliche Pfarrer über sie. So ist die Dittersbacher Dorfkirche seit vielen Jahrhunderten bis auf den heutigen Tag der Ort, an dem eine lebendige Gemeinde ihren Gottesdienst feiert. Die jüngste Renovierung erhält dieses bedeutungsvolle und mit Leben erfüllte Schmuckkästchen für folgende Generationen.
Text: Sonja Simon und Rainer Alexander Gimmel
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