Was wir wirklich brauchen
Was wir wirklich brauchen
„Wir sind ohne Besitz auf diese Welt gekommen, und genauso werden wir sie auch wieder verlassen. Wenn wir zu essen haben und uns kleiden können, sollen wir zufrieden sein.“ So schreibt Apostel Paulus an seinen Mitarbeiter Timotheus. Sind wir doch zufrieden, mit dem, was wir haben und dankbar für unser Leben.
Die liebste Freizeitaktivität der Deutschen ist nicht etwa Fußballgucken oder Gartenarbeit, sondern Shoppen. Konsum bestimmt unser Leben. Ich kaufe, also bin ich. Durch Globalisierung und Digitalisierung ist es möglich, fast alles zu konsumieren, um glücklich zu werden. Unser Konsum bestimmt unseren Status, unseren Wert und sichert uns unseren Platz in der Gesellschaft, ist regelrecht zur Ersatzreligion geworden. Status, Stilsicherheit, Selbstbestätigung lassen sich vermeintlich beim Kauf von Konsumgütern miterwerben. Freilich ist uns bewusst, dass all dies eigentlich nicht käuflich ist .
Warum ist Shopping das Lieblingshobby der Deutschen, warum kaufen wir, was wir eigentlich nicht brauchen? Shoppen führt zur Ausschüttung des Glückshormons Dopamin, und hat eine ähnliche Wirkung wie einige Drogen.
Unser Konsumverhalten hat sich verändert, durch Onlineshopping, andauernde Onlinewerbung, und nicht zuletzt durch Onlinemarketing von Influencerinnen und Influencern. Früher galt, dass uns Sparsamkeit sozial nach vorn bringt und eine Erfolgsstrategie fürs Leben ist. Influencer suggerieren uns, dass das Gegenteil der Fall ist: Konsum bringt uns gesellschaftlich nach vorn.
Die Leidenschaft der Deutschen für Einkaufen zeigt sich auch in Zahlen: Wir kaufen z.B. durchschnittlich 60 neue Kleidungsstücke pro Jahr und tragen diese nur noch halb so lang wie vor fünfzehn Jahren. In Deutschland wandern 4,7 kg Kleidung pro Jahr und Person in den Müll, das sind insgesamt 391.752 Tonnen Textilabfall.
Längst sind wir in der Überflussgesellschaft gelandet. Oder in der Wegwerfgesellschaft. Wir konsumieren immer schneller, leben über unsere Verhältnisse. Von Nachhaltigkeit ist da nichts mehr zu spüren. Die Entwicklung in der westlichen Welt hat Hunger und Not bei uns weitgehend beseitigt. Aber die Lebensqualität ist nicht unbedingt gewachsen. Mehr Zufriedenheit durch mehr Wohlstand stellt sich nicht automatisch ein.
Mit weniger Dingen zu leben, gibt uns die Chance, dankbarer für das zu sein, was wir haben. Wir haben mehr Zeit für Menschen. Wir können aufhören, zu wetteifern und uns zu vergleichen. Wir können Ruhe finden und durchatmen. Schließlich gibt es darüber hinaus viel mehr, wie Freundschaft oder Liebe, Gemeinschaft, Vertrauen und Respekt. Was dieses eine Leben hier auf Erden lebenswert macht, was Menschen wirklich satt und zufrieden macht, wird einem geschenkt.
Wahrer Glaube und die Fähigkeit, mit wenigem zufrieden zu sein, sind tatsächlich ein großer Reichtum. 1. Timotheus 6,6
Quelle: www.deutschlandfunknova.de 29.10.20, Carl Tillessen: Warum wir kaufen, was wir nicht brauchen
Renate Haufe
Foto: Pixabay