Missionarische Pfarrstelle

Die Missionarische Pfarrstelle im Kirchgemeindebund Wilsdruff-Freital »Leben am Rande der Stadt« – was das ist? Und das soll ich kurz zusammenfassen? Da beginne ich am besten beim Urschleim.
Erst seit dem 20. Jahrhundert gibt es in unseren Breiten nennenswerte Bevölkerungsanteile, die nicht in der Kirche sind. Weil in den ca. 1.000 Jahren davor faktisch alle in der Kirche waren, mussten wir (die Kirche) uns nie Gedanken um solche Leute machen. Und in den letzten Jahrzehnten zeigt sich: Wir haben im Lauf der Jahrhunderte offenbar ganz gründlich verlernt, wie wir auf Außenstehende zugehen.

Die sächsische Kirche hat seit 2025 für jeden Kirchenbezirk vier halbe Pfarrstellen vorgesehen, die genau damit beauftragt sind: Wege und Formate auszuprobieren, wie wir als Kirche für Menschen relevant werden, die nicht zu uns gehören. Dabei spielt die Absicht, uns selbst über Wasser zu halten, keine Rolle. Sondern es ist von dem reichen Segen Gottes her gedacht, der nicht allein für uns, die wir zur Kirche gehören, da ist; sondern den Gott seiner gesamten Schöpfung schenken will – und wofür Gott uns in Gebrauch nehmen will.
Für unseren Kirchgemeindebund habe ich diese Stelle inne. Die Arbeit beginnt damit, die Situation in unserer Region möglichst gut im Blick zu haben. Und die ist in der Tat ziemlich besonders.

Unsere Kirchgemeinden liegen alle am westlichen Rand der Stadt Dresden. Anders als Orte, die weiter entfernt von der Stadt sind, sind wir Zuzugsgebiet. In manche unserer Dörfer sind in den letzten 25 Jahren mehr Menschen zugezogen, als vorher hier gelebt haben. Andererseits ist die Infrastruktur unserer Orte viel schwächer, als in Dresden. Gerade die Leute, die zugezogen sind, arbeiten meistens in der Stadt, verbringen dort ihre Freizeit, gehen dort einkaufen und so weiter. So haben wir hier zwar bevölkerungsreiche (und oftmals auch kinderreiche) Dörfer. Aber das Miteinander der Einwohner steht vor ganz eigenen Problemen. Die Grundfragen lauten: Was braucht es, damit die Menschen, die hier her ziehen, sich hier zuhause fühlen? Wie können sie sich beheimatet fühlen in der hiesigen Umgebung, ihrer Kultur, Geschichte und Natur? Und vor allem: Was braucht es, damit die Menschen hier das Leben gemeinsam genießen können: Im Miteinander von Alteingesessen und Neuzugezogen?

Meine praktischen Arbeitsschwerpunkte liegen auf Pilgerveranstaltungen, Motorradfahrer-Arbeit und Theater-Projekten. Informationen dazu finden Sie unter www.kirchgemeindebund-wilsdruff-freital.de/projekte/ oder bei Instagram @lebenamstadtrand. Neben der missionarischen Stelle bin ich Pfarrer in der Kirchgemeinde in den linkselbischen Tälern (www.kirchgemeinde-linkselbische-taeler.de), die diese missionarische Haltung mit trägt.

Spruch des Tages