Die Bergkirche „Zum Heiligen Kreuz“ wurde in den Jahren 1626 bis 1629 unter Verwendung des alten Mauerwerkes der Unterburg Tharandt und des Portals der Burgkapelle (um 1250) erbaut und im Jahr 1631 geweiht.
Aus dem Kleinen Kunstführer
Kurzinformation aus dem Kleinen Kunstführer „Bergkirche zum Heiligen Kreuz Tharandt“
erschienen im Verlag Schnell & Steiner
Die Kleinstadt Tharandt liegt im Talgrund des Schloitzbaches und der Wilden Weißeritz am Ostrand des Tharandter Waldes. Namensgebend war die Burg Tharandt, die zu Beginn des 13. Jh. für den Meißner Markgrafen Dietrich den Bedrängten (1162–1221) erbaut wurde. Die Handwerkersiedlung unterhalb der Burg trug den Namen Granaten. Das 1457 so bezeichnete »Städtlein« wurde seit der Mitte des 16. Jh. von einem Rat verwaltet und erhielt 1609 weitere Stadtrechte wie das Marktrecht. Erst im 19. Jh. löste der Name Tharandt die Ortsbezeichnung Granaten ab. Granaten gehörte im Mittelalter zum Pfarrsprengel der Dorfkirche Fördergersdorf. 1555 wurde mit Anstellung eines Pfarrers eine eigene Kirchgemeinde gegründet. Die ältere Kirche stand im Tal des Schloitzbaches und wurde durch Hochwasser mehrfach verwüstet. Daher wurde beschlossen, auf der Höhe, am Standort der Tharandter Unterburg, eine neue Kirche zu errichten. Diese wurde 1631 eingeweiht. Erst 1927 erhielt sie den Namen „Zum Heiligen Kreuz“.
Die Saalkirche mit vorgelagertem Westturm folgt der traditionellem Kirchenarchitektur. Entlang der Außenmauern fällt der Bergsporn steil ab. Der Zugang befindet sich im Westturm. Der Bruchsteinbau ist verputzt und mit einer Eckquaderung versehen. Über dem Kirchensaal erhebt sich ein hohes, im Osten von einer Giebelwand begrenztes Satteldach. Der Turm steht auf quadratischem Grundriss. Das Glockengeschoss ist als Achteck gebildet und wird von einer Haube bekrönt, aus der oben eine steile Pyramide hervorwächst.
Innen ist die Bergkirche durch den klassizistischen Umbau der Jahre 1805 bis 1807 geprägt. Der Pfarrer und Dichter Christian Friedrich Traugott Voigt, der ihn veranlasste, verwandelte das Tharandter Tal in eine „verschönerte Landschaft“ und bettete die Kirche in diese romantische Landschaftsinszenierung ein. Das wichtigste Ausstattungselement ist die klassizistische Emporenwand an der Ostseite mit dem integrierten Altar. Hinter dem Altar steht auf der Emporenebene die Orgel, so dass beide Ausstattungsteile fast wie eine Einheit wirken. Der klassizistische Altaraufsatz auf dem hölzernen Altartisch wird von zwei vergoldeten Säulen gerahmt, deren ionische Kapitelle ein Gebälk tragen. In diese antikisierende Architektur wurde 1927 eine Kreuzigungsgruppe aus dem ausgehenden 15. Jh. eingefügt.
Der Orgelprospekt wurde 1805/06 durch den Dresdner Orgelbauer Johann Christian Kayser (1750–1813) errichtet. Er nimmt die klassizistischen Formen des Altars auf. Das Orgelwerk von 1806 ist nicht erhalten. Es wurde mehrfach repariert und schließlich 1964 bis 1969 durch einen Neubau ersetzt, den der Orgelbauer Wilhelm Rühle aus Moritzburg schuf. Auch die Glocken sind mehrfach erneuert worden. Heute läuten drei Bronzeglocken, die 2010 in der Kunstgießerei Lauchhammer gegossen wurden.
Text: Dr. Matthias Donath
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