Kirche in Sachsen

In diesen Tagen stellen wir uns drängende Fragen. Auch mich beschäftigen sie unablässig. Was hat die Corona-Krise mit unserem Glauben zu tun? Welche Botschaft verbirgt sich darin? Wie können wir als Gesellschaft miteinander verarbeiten, was wir gerade erleben? Wie sollen wir uns als Christen und als Kirche konkret verhalten?

Jetzt feiern wir Weihnachten und ich erinnere mich an eine Schlagzeile besonders: „Ist Weihnachten noch zu retten?“ lautete der Titel. Ich bin mir sicher: Nein! Weihnachten muss nicht „gerettet“ werden, denn es ereignet sich seit Jahrhunderten unter allen denkbaren und unvorstellbaren Umständen. Die Botschaft „Euch ist heute der Heiland geboren!“ hat Menschen zu allen Zeiten berührt und getröstet. Die Weihnachtsgeschichte, die Geschichte von der Geburt Christi, birgt in sich eine so große Kraft, die selbst Kriege für einen Moment zum Stillstand gebracht hat.

Wir haben Bücher mit Weihnachtsgeschichten im Regal oder Filme vor Augen, die  zum Inhalt haben, dass es trotz größter Schwierigkeiten unmöglich ist, Weihnachten zu verhindern. Sie beschreiben vielmals Momente himmlischen Friedens inmitten des Chaos. Je dunkler der irdische Hintergrund, umso strahlender leuchtet der helle Morgenstern, der in diesem neugeborenen Kind seine unwiderstehliche Wirkung entfaltet.

Weil das so ist, brauchen wir uns keine Sorgen um Weihnachten zu machen. Wir können vielmehr schauen, welche Botschaft die Weihnachtsgeschichte für uns enthält.

Nach oben schauen und in Bewegung kommen

In der Weihnachtsgeschichte sind es die Hirten und die Sterndeuter, die zuerst von der Geburt Christi erfahren. Sie erfahren es, indem sie die Köpfe heben und nach oben schauen – die einen hin zu einem Engel, der ihnen die Geburt verkündet, die anderen hin zu einem Stern, der sie zur Krippe führt. Die Weihnachtsgeschichte stellt uns also Menschen vor Augen, die nach oben orientiert sind und sich von dem, was sie dabei wahrnehmen,  bewegen lassen.

Ich wünsche uns, dass wir mitten in den aktuellen Schwierigkeiten eine neue Haltung gewinnen. Vielleicht können wir im Moment die Krise noch nicht so deuten, dass wir sie wirklich verstünden. Wir können aber nach neuer Orientierung suchen, nach Gott Ausschau halten. Das wird dazu führen, dass wir den Kopf heben, aufrecht gehen, eine neue Perspektive gewinnen und uns bewegen lassen.

Gott einen Raum geben

Zu Weihnachten wird ein Stall zum heiligen Raum und Ort der Anbetung. Für uns sind es die Kirchen, die auch Gotteshäuser genannt werden. Für viele gehört der Besuch einer Kirche wie selbstverständlich zu Weihnachten dazu. In diesem Jahr ist es nun anders: Die Frage, ob man angesichts der Lage zu Weihnachten in die Kirche gehen oder lieber zu Hause bleiben soll, bewegt viele Menschen.

Im Verständnis der Bibel ist das heilig, was Gott vorbehalten ist, etwas, was nur ihm gehört. Das kann ein Raum wie die Kirche sein. Deshalb halten wir sie in diesen Tagen offen. Es kann aber auch eine Zeit sein, die man für Gott reserviert oder eine Handlung, mit der man Gott ehrt. Deshalb können wir in diesem Jahr auch zu Hause einen Raum und eine Zeit schaffen, in der Gott und die Weihnachtsbotschaft zu uns kommen können. Jede Wohnung kann zum heiligen Ort werden.

Sich trösten lassen

Heute wird das Leben unter Corona-Bedingungen für viele zu einer echten Grenzerfahrung. In Krankenhäusern ringen Ärzte und Pflegende um Menschenleben. Andere können derzeit nicht arbeiten und sorgen sich um ihre Existenz. Wieder andere müssen den Spagat zwischen ihrer Arbeit und der Betreuung von Kindern leisten. Nicht wenige leiden unter den fehlenden Kontakten und der Einsamkeit. Die Ungewissheit über den weiteren Verlauf der Pandemie sorgt für eine Dauerspannung, die viele überfordert. Zurück bleibt ein Gefühl der Machtlosigkeit, der Frustration und des Niedergeschlagenseins.

Auch damals war die Situation keine leichte! Weder für die Hirten auf dem Felde noch für die Menschen, die im Chaos einer angeordneten Volkszählung unterwegs waren.

Und mitten in diese Situation hinein kommt Gott und wird Mensch! Es scheint geradezu so, als ob alles seinen Plänen folgt, obwohl nichts geordnet wirkt. Mitten hinein in die Welt, wie sie nun einmal ist, kommt Gott! So war es damals, so ist es heute.

Die, die mit ihrer Kraft am Ende sind, die Verzweifelten, die Niedergeschlagenen, sie alle müssen nirgends hingehen, um zu Gott zu kommen, sondern Gott kommt zu ihnen. Das Herz der Menschen ist für Gott genauso ein heiliger Raum wie eine strahlende Kirche. Weihnachten ist nicht das Fest der selbstbewussten Macher, sondern derer, die sich ihre Ohnmacht eingestehen und sich trösten lassen.

Auf dem Altmarkt in Dresden steht die Weihnachtskrippe mit ihren besonderen Figuren. Andere Jahre muss man sie zwischen den vielen Buden des Striezelmarktes suchen. Jetzt hat sie fast den ganzen Platz für sich allein. Ich bin schon viele Male bei ihr stehengeblieben, um einen Moment still zu verweilen. Für mich ist hier ein heiliger Raum entstanden. Hier empfinde ich auch, wie nahe uns Gott gerade jetzt ist. Wir feiern dieses Jahr ein reduziertes Christfest, dabei könnte jedoch das Wesentliche zum Zuge kommen. Gott ist in Jesus Christus Mensch geworden und auf geheimnisvolle Weise geschieht das auch dieses Jahr aufs Neue. Wenn wir dafür offen sind, wird es sich bei uns ereignen.

Daraus leite ich ab, was ich mir für dieses Weihnachten wünsche:

Ich wünsche mir für unser starkes Land mit seinen wunderbaren Menschen, dass wir uns nicht selbst überfordern. Gott will die Krise mit uns gemeinsam durchstehen und uns für die Bewältigung Kraft und Inspiration geben. Ich wünsche mir für alle, die unter besonderem Erwartungsdruck stehen, dass sie Zeiten der Besinnung und des Kraftschöpfens haben. Und ich wünsche ihnen, dass Sie in den Weihnachtstagen Frieden schließen – mit der eigenen Begrenztheit und der der anderen. Wir brauchen einander.

Unsere Gedanken und Gebete aber sind in diesen Stunden bei denen, die es jetzt besonders schwer haben, aus welchem Grund auch immer. Ihnen wünsche ich in besonderer Weise den Frieden des Christfestes!

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