Kirche in Sachsen

 

Die Blockade eines Busses mit Flüchtlingen, die in Clausnitz unterkommen sollten, und die damit verbundenen Krawalle haben bei mir, in Clausnitz und darüber hinaus im ganzen Kirchenbezirk Freiberg tiefe Bestürzung ausgelöst. Menschen in Angst und Schrecken zu versetzen, liegt jenseits all dessen, was als Meinungsäußerung und politische Stellungnahme zu rechtfertigen ist. Hinzu kommt die Tatsache, dass auf diese Weise kein Problem gelöst wird, dafür aber eine schwere Rufschädigung einer ganzen Region erzeugt worden ist. Die Kirchgemeinden des Kirchenbezirkes engagieren sich mit hohem Einsatz auch in Clausnitz dafür, dass denen, die zu uns kommen, menschlich begegnet wird. So haben Gemeindeglieder in Clausnitz auf die Flüchtlinge gewartet, um die Ankommenden zu unterstützen und möglicherweise notwendige „Erste Hilfe“ zu leisten.

Dabei verkenne ich keineswegs die schwierigen Probleme, die sich mit der Aufnahme einer großen Zahl von Migranten verbinden, angefangen von der Unterbringung bis hin zu sinnvollen Schritten der Integration. Aber die Grenzen der Menschlichkeit und des guten Anstandes dürfen nicht in dieser Weise, wie es in Clausnitz geschehen ist, überschritten werden. Hinzu kommt die Tatsache, dass diejenigen, die sich für ein menschliches Entgegenkommen einsetzen, verbal bedroht worden sind.

Ich halte es für dringend erforderlich, dass alle sich darüber im Klaren sind, dass nicht zuerst Flüchtlinge, nicht zuerst Gruppen aus anderen Nationen und Kulturen zu uns kommen und auch die Frage nicht an erster Stelle stehen darf, aus welchen akzeptablen oder inakzeptablen Motiven sie gekommen sind, sondern an erster Stelle kann nur stehen, dass es Menschen sind, deren Würde nicht angetastet werden darf. Auch die Frage, wie wir miteinander und übereinander reden und schreiben, muss mit höchster Dringlichkeit bedacht werden. Und die Spielregeln des politischen Streites, der zu unserer Demokratie gehört, müssen neu ins Bewusstsein genommen werden.

Ich bin dankbar, dass ungezählte Helfer, die oft von der Öffentlichkeit gar nicht wahrgenommen werden, mit hohem Einsatz dabei sind, die Hilfe zu leisten, die nötig ist, und das betrifft nicht nur Dinge des täglichen Bedarfs, sondern auch die Bereitschaft zur Begegnung und zum Austausch. Ich hoffe sehr, dass diese Bereitschaft anhält und nicht durch Verachtung oder gar Bedrohung untergraben wird.

Ev.-Luth. Superintendentur Freiberg   |   Untermarkt 1   |   09599 Freiberg

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